Weiße Blumen

Sexualstörungen

Allgemeines zu Sexuellen Funktionsstörungen:

Sexuelle Funktionsstörungen sind nur selten auf eine Ursache zurückzuführen.  So vielfältig wie die Erscheinungs- und Ausdrucksformen der Sexualität, so vielfältig und unterschiedlich sind auch die Probleme mit ihr. Seit der Zulassung von Sildenafil (Viagra) im Jahr 1998 und den Nachfolgepräparaten kam es zu einem deutlichen Anstieg von Diagnosen sexueller Störungen. Allgemein versteht man darunter Störungen der sexuellen Funktion, Störung der sexuellen Identität und der Geschlechtsidentität sowie die außergewöhnlichen sexuellen Vorlieben (Paraphilien, früher Perversionen genannt). Störungen der sexuellen Funktion können rein psychisch oder rein körperlich verursacht oder durch Medikamente oder Drogen mitbedingt sein.

Die häufigsten Beschwerden sind:

1. Störungen des sexuellen Verlangens:

  • Anhaltende und deutliche Verminderung des sexuellen Verlangens

  • Sexuelle Aversion, Ekel, Ängste

  • Exzess: Nymphomanie bei der Frau, Satyrismus beim Mann

2. Störungen der sexuellen Erregung:

  • Weibliche Erregungsstörungen: Erregung im Hinblick auf Dauer und Stärke nicht ausreichend für befriedigenden Geschlechtsverkehr

  • Erektionsstörungen beim Mann: Erektion im  Hinblick auf Dauer und Stärke nicht ausreichend für befriedigenden Geschlechtsverkehr

3. Orgasmusstörungen:

  • Orgasmusschwierigkeiten bei der Frau: Orgasmus nie oder selten

  • Vorzeitige Ejakulation beim Mann: Samenerguss schon vor oder beim Einführen des Penis in die Scheide oder unmittelbar danach.

  • Ausbleibende Ejakulation beim Mann: Trotz voller Erektion und intensiver Reizung kein Samenerguss,  Anorgasmie

  • Ejakulation ohne Orgasmus: Samenerguss ohne Lust- und Orgasmusgefühl

4. Störungen mit sexuell bedingten Schmerzen:

  • Dyspareunie: Wiederkehrende oder anhaltende Schmerzen in Verbindung mit dem Geschlechtsverkehr

  • Vaginismus bei der Frau: Unwillkürliche und reflexartige Verkrampfung der Beckenbodenmuskulatur und des äußeren Drittels der Vagina. Die Verkrampfung tritt beim Koitusversuch auf.

5. Andere sexuelle Funktionsstörungen, nicht näher bezeichnete sexuelle Funktionsstörung

  • z.B. Nachorgastische Verstimmung: Gereiztheit, innere Unruhe, Schlafstörungen, Weinanfälle, Missempfindungen im Genitalbereich usw.

Sexualtherapie:

Sexualtherapie bietet effektive Hilfe bei Störungen im Sexualverhalten jeder Art. Die meisten sexuellen Störungen sind psychischer/mentaler Natur und haben eine gute Aussicht auf Erfolg. Sexualtherapie hilft dem Einzelnen oder Paaren mehr Bewusstsein über ihre Sexualität zu erlangen, unterstützt sie im Ausprobieren neuer Wege, damit sie diese lustvoll und kreativ leben können.

Dabei geht es sowohl um die bewusste Wahrnehmung der eigenen sexuellen Einzigartigkeit, die Entwicklung von Verständnis für die eigenen Probleme, um vorsichtiges Erforschen der eigenen Sexualität, aber auch um die kreative Förderung  und Entfaltung der Sexualität. 

Definition und Klassifikation:

Zur Unterteilung funktioneller Sexualstörungen werden organisch bedingte Störungen ausgeschlossen, im Unterschied zur sexuellen Dysfunktion, die normalerweise organisch bedingt ist. Das meistverwendete und akzeptierte Diagnoseschema um nichtorganische sexuelle Funktionsstörungen zu beschreiben ist das ICD-10 und DSM-IV. Ich werde aufgrund der Ähnlichkeit der beiden hier nur das ICD-10 vorstellen (Paulitsch, 2004).

Diagnosekriterien der sexuellen Funktionsstörungen, nach ICD 10, F52
  • Der Betroffene ist nicht in der Lage, eine sexuelle Beziehung so zu gestalten wie er möchte.

  • Die Störung tritt häufig auf, kann aber bei manchen Gelegenheiten auch fehlen.

  • Die Symptomatik besteht seit mindestens 6 Monaten.

  • Eine organische Ursache muss ausgeschlossen sein (z. B. eine hormonelle Störung).

 

F52.0  Mangel an oder Verlust von sexuellem Verlangen

F52.1  Sexuelle Aversion und mangelnde sexuelle Befriedigung

F52.2  Versagen genitaler Reaktionen

F52.3  Orgasmusstörung

F52.4  Ejaculatio praecox

F52.5  Nichtorganischer Vaginismus

F52.6  Nichtorganische Dyspareunie

F52.7  Gesteigertes sexuelles Verlangen

F52.8  Sonstige sexuelle Funktionsstörungen, nicht verursacht durch eine organische Störung oder Krankheit

F52.9  Nicht näher bezeichnete sexuelle Funktionsstörung, nicht verursacht durch eine organische Störung oder Krankheit